
Warum gute Ideen mit „mehr Arbeit“ belohnt werden.
Du erkennst ein Problem im Unternehmen, sprichst es an – und plötzlich bist du dafür verantwortlich, es zu lösen. Mehr Arbeit, kein Dankeschön. Willkommen in der Welt der Selbstbestrafung für Engagement! Warum werden Verbesserungsvorschläge oft mit zusätzlicher Last „belohnt“, statt als wertvolle Initiative wahrgenommen?
In diesem Artikel erfährst du, woran du erkennst, dass du in diese Falle getappt bist, wie du dich geschickt daraus befreist und welche Veränderungen in der Unternehmenskultur nötig wären, damit Engagement nicht mehr zum Nachteil wird. Denn wenn alle schweigen, bleibt alles beim Alten – und das kann sich kein Unternehmen leisten. 😉
Selbstbestrafung für Engagement – Warum gute Ideen mit mehr Arbeit „belohnt“ werden
Jeder kennt diesen einen Moment im Job: Man erkennt ein Problem, denkt sich „Hey, das könnte man doch viel besser machen!“ und spricht es an. Die Hoffnung? Eine kluge Diskussion, vielleicht sogar ein kleines Dankeschön. Die Realität? Plötzlich ist man selbst verantwortlich, es zu lösen. Willkommen in der Welt der Selbstbestrafung für Engagement.
Woran erkennt man, dass man in die Falle getappt ist?
- Du sprichst einen Missstand an – dein Chef nickt und sagt: „Gute Idee, dann kümmerst du dich also drum?“
- Deine Kolleg:innen lächeln dankbar, bleiben aber ganz still, während du nun das Problem lösen darfst.
- Nach ein paar Wochen merkst du, dass du nun zusätzliche Aufgaben hast – ganz ohne Beförderung, Anerkennung oder gar eine Gehaltserhöhung.
- Dein Engagement wird nicht als Initiative gewürdigt, sondern als Einladung gesehen, dich einfach mit noch mehr Verantwortung zu belasten.
Das Ergebnis? Demotivation. Wer einmal die Erfahrung macht, dass er für Vorschläge mit mehr Arbeit „belohnt“ wird, hält beim nächsten Mal lieber die Klappe. Und so entsteht eine Unternehmenskultur, in der Probleme zwar jeder sieht, aber niemand mehr offen anspricht.
Wie kommt man aus dieser Falle wieder raus?
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Probleme clever ansprechen
Statt zu sagen: „Das läuft hier nicht gut, das sollten wir ändern!“, besser so: „Mir ist dieses Problem aufgefallen – gibt es eine Idee, wer das am besten lösen könnte?“ So gibt man das Thema zurück in die Organisation und ist nicht automatisch derjenige, der es abarbeiten muss. -
Zuständigkeiten klären
Wenn dir das Problem auffällt, heißt das nicht, dass es dein Job ist, es zu lösen. Frage nach bestehenden Prozessen oder Verantwortlichen: „Wer wäre hierfür eigentlich zuständig?“ -
Nein sagen lernen
Falls man doch in die Falle getappt ist, kann man klarstellen: „Ich habe leider keine Kapazität, das zusätzlich zu übernehmen. Vielleicht können wir eine Lösung finden, bei der die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird?“ -
Unterstützer:innen suchen
Wenn sich mehrere Kolleg:innen zusammenschließen, ist die Chance größer, dass das Thema ernst genommen wird und sich nicht nur eine einzelne Person daran abarbeitet.
Was muss sich in der Unternehmenskultur ändern?
Damit Engagement nicht mehr zur Selbstbestrafung wird, brauchen Unternehmen einige grundlegende Veränderungen:
- Fehler- und Verbesserungskultur etablieren: Es muss normal sein, Probleme anzusprechen, ohne dass man dafür „bestraft“ wird. Feedback sollte begrüßt, nicht delegiert werden.
- Klare Verantwortlichkeiten schaffen: Verbesserungsvorschläge sollten nicht automatisch auf die Schultern derjenigen fallen, die sie machen, sondern an klar definierte Teams oder Prozesse weitergeleitet werden.
- Wertschätzung für Initiative: Wer Missstände erkennt und Lösungsideen hat, sollte dafür belohnt werden – sei es durch Anerkennung, Bonuszahlungen oder Karrierechancen.
- Führungskräfte als Vorbilder: Wenn Chefs selbst offen für Kritik sind und Verbesserungsvorschläge konstruktiv aufgreifen, wird das ganze Unternehmen davon profitieren.
Wer engagierte Mitarbeitende fördern will, muss dafür sorgen, dass sie sich nicht selbst bestrafen, indem sie ihre eigene Arbeitslast erhöhen. Unternehmen, die das nicht erkennen, riskieren eine Belegschaft, die still bleibt – und Stillstand ist der Anfang vom Ende.
Also: Wer das nächste Mal eine gute Idee hat, sollte nicht nur über das Problem nachdenken, sondern auch darüber, wie es so angesprochen wird, dass man nicht allein damit dasteht. 😉
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